| Friedrichsdorf,
Hugenottensiedlung und Stadt des Telefons Gegründet wurde Friedrichsdorf im Jahre
1687, als Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg auf der Gemarkung eines verlassenen
Dorfes französische Glaubensflüchtlinge ansiedelte und ihnen wichtige Privilegien
gewährte. Im Jahre 1771 erhielt die "colonie française" Stadrechte und im
Jahre 1821 ein Stadtwappen, mit 9 silberne Rosen im blauen Feld.
Strumpfwirker, Flanellweber und
Färber machten die neue Siedlung schnell zu einem gewerblichen Zentrum in einer
ländlichen Umgebung , die Hutfabrikation und Lederverarbeitung kamen später hinzu und
als der ehemalige Schiffskoch Stemler Anfang des 19. Jahrhunderts den Zwieback erfand,
wurde Friedrichsdorf als "Stadt des Zwiebacks" weltbekannt. Aus einer der vielen
Zwiebackdynastien ging einer der größten Produzenten für Kindernahrung, die Firma
Milupa hervor.
Im Jahre 1861 stellte
Friedrichsdorfs berühmtester Bürger, Philipp Reis, sein Telefon der Öffentlichkeit vor.
In seinem Wohnhaus in der Hugenottenstraße sind heute die Philipp-Reis-Sammlung des
Museums für Post und Kommunikation und ein kleines Hugenottenmuseum untergebracht.
Philipp Reis wirkte als Lehrer am
"Institut Garnier", einem seinerzeit sehr bekannten Knabeninternat, das Schüler
aus aller Welt anzog, weil in Friedrichsdorf noch bis zum ersten Weltkrieg weitgehend
französisch gesprochen wurde. Die Gebäude des "Instituts Garnier" gehören zu
den Sehenswürdigkeiten der Stadt und beherbergen heute die Stadtbibliothek, sowie
zahlreiche kleine Gaststätten und Läden.
Trotz zahlreicher Renovierungen und
Neubauten hat sich Friedrichsdorf den Charakter der früheren Kleingewerbesiedlung
bewahrt. Typisch dafür: langestreckte Innenhöfe mit zahlreichen kleinen
Wirtschaftsgebäuden, als Abschluß des Hofraums und quer dazu die Scheuer, dahinter ein
großer Garten, der ehemals der Selbstversorgung diente.
Markante Gebäude in Friedrichsdorf
sind die klassizistische Villa Schenk, erbaut im Jahre 1872, die Jugenstilvillen der
Zwieback- und Nudelfabrikanten sowie die zahlreichen gut erhaltenen Häuser der
hugenottischen Textilfabrikanten mit ihren typischen Mansard- Dächern. Einen reizvollen
Kontrast dazu bilden
die zahlreichen kleinen Färberhäuschen, die zu jedem Textilbetrieb gehörten und die
sich heute zu pittoresken Lädchen und Gaststätten gewandelt haben.
Inmitten der Hugenottenstraße
beherrscht die im Jahre 1837 von dem Frankfurter Architekten Rudolf Burnitz erbaute Kirche
der Hugenotten, die einen älteren kleinen Tempel ersetzte, das Stadtbild. Eine Kirche
ganz anderer Art ist der im Jahre 1987 errichtete Tempel der Mormonen auf dme Areal der
ehemaligen Teigwarenfabrik Haller, aber auch er ein Symbol der traditionellen Toleranz in
Glaubensfragen, die das Zusammenleben so vieler verschiedenartiger Bürger in
Friedrichsdorf geprägt hat.
1916 war das im Jahre 1804 von
Vogelsberger Bauern gegründete Dorf Dillingen eingemeindet worden. Die vier ältesten
Gebäude des Ortskerns mit ihrem typischen Fachwerk stehen heute unter Denkmalschutz.
Sehenwert auch der "Dillinger Dom", um 1820 als Schule und Betsaal des
Dörfchens erbaut und noch heute beliebt für kirchliche Trauungen. |